Kommunikation

180° – Zu spät für den Kapitalismus

Brandgefährlich  

Der englische Originaltitel wäre aussagekräftiger gewesen, denn er lautet in etwa: „Verbrannte Erde – Auf dem Weg vom digitalen Zeitalter in eine postkapitalistische Welt“. Der US-amerikanische Medientheoretiker Jonathan Crary sieht den Kapitalismus angesichts der Klimakrise in seiner Endphase. Er räumt dabei mit der Illusion des demokratischen Internets auf und sieht in der allumfassenden Digitalisierung ein zentrales Macht-, Ablenkungs- und Überwachungsinstrument des Systems. Damit einher geht ein riesiger Energie- und Rohstoffverbrauch (z.B. durch Serverfarmen) sowie sagenhafter Reichtum weniger Internet-Milliardäre. Crary plädiert für Solidarität und echte menschliche Beziehungen, die nur in der realen Welt möglich sind. Oder wie er es formuliert: „Man kann im Internet Gedichte finden, aber keine Poesie“. Das Buch will aufrütteln und gegen die vermeintliche Alternativlosigkeit der Digitalisierung und des Überwachungskapitalismus ankämpfen. HH 

180° – Zu spät für den Kapitalismus 
Jonathan Crary, Verlag Klaus Wagenbach (2023)

FAIRmarkt: Fair zu Beschäftigten – Fair zur Umwelt 

Messe  

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Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde. Nicht nur Konsument:innen setzen beim täglichen Einkauf auf faire und nachhaltige Produkte, sondern auch die Entscheidungsträger:innen aus Kommunen sowie privaten und öffentlichen Institutionen wollen sich dieser besonderen Verantwortung stellen. Bei FAIRmarkt – der Messe für faire Beschaffung präsentieren Unternehmen ihre ökologischen und fairen Produkte für Betriebe. Eingeladen sind zur FAIRmarkt-Messe alle Personen, die entweder in Firmen, Organisationen oder Gemeinden im zentralen Einkauf eingebunden sind sowie alle Menschen, denen dieses Thema wichtig ist. FJ 

Genaue Informationen bitte der Veranstaltungsseite entnehmen: 
www.weltumspannend-arbeiten.at/fairmarkt

Der FAIRmarkt findet am 1./2. März 2024 im ÖGB-Catamaran Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien bei freiem Eintritt statt.

Anmeldeschluss für Aussteller:innen ist der 31. Jänner 2024

AK Budgetanalyse 2024

Geld fürs Klima?

Wie jedes Jahr im Herbst analysiert die AK, was der Budgetentwurf des Bundes für das kommende Jahr den Arbeitnehmer:innen bringen wird. Die Analyse der AK ist ernüchternd: Das ist kein großer Wurf. Für den Klimaschutz ist zwar viel Geld da, aber andere, ebenso wichtige Zukunftsinvestitionen werden der nächsten Regierung überlassen, ebenso wie die nötigen Schritte zur Konsolidierung des Budgets. Im Klimaschutz werden die Gelder nicht sehr effizient eingesetzt, es ist oft nicht klar, wieviel Emissionsreduktionen ein vom Bund ausgegebener Euro bringt. Die Kürzung der Sozialversicherungsbeiträge und die geringen Mittel für Aus- und Weiterbildung, Pflege, Gesundheit und Armutsbekämpfung sind dunkle Wolken über der Finanzierung des Sozialstaats. Positiv ist der Zukunftsfonds zu sehen, der Gelder für Länder und Gemeinden an Zielvereinbarungen bei Bildung, Gesundheit, Klima etc. knüpft. Er ist aber noch unterdotiert. CS 

Die ganze Analyse finden Sie hier: https://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/image/AC16987597/

Die große Consulting-Show

Leseempfehlung 

Seit Jahren spricht die Politik von Verwaltungsabbau und „Sparen im System“. Immer schlanker soll der Staat werden. Doch irgendjemand muss dann dessen Aufgaben erfüllen. In der Regel sind es Beratungsfirmen, die die Aufgaben und Dienstleistungen der öffentlichen Hand übernehmen. Wirtschaft und Staat gehen oft davon aus, Beratungsfirmen würden einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Dabei sind es Steuergelder, die in mächtige Netzwerke und ein undurchschaubares System von Verträgen fließen, wie die Ökonom:innen Mazzucato und Collington in ihrem neuen Buch aufzeigen. Damit steigt zum einen die Abhängigkeit von externer Beratung für Bund, Länder und Gemeinden. Gleichzeitig gehen Wissen und Kompetenzen innerhalb des Staates verloren. Der Gedanke von Gemeinwohlorientierung wird durch Profitorientierung ersetzt. Die großen Herausforderungen unserer Zeit wie die Klimakrise oder die wachsende Ungleichheit können nur mit einem starken, öffentlichen Sektor bewältigt werden. Regierungen mit Kompetenz in diesen Fragen können bessere Lösungen aushandeln und umsetzen. SI

Die große Consulting-Show: Mariana Mazzucato, Rosie H. Collington, Campus Verlag (2023)

Neuer VCÖ-Bahntest 

Mobilität 

Auch dieses Jahr hat die Mobilitätsorganisation VCÖ wieder einen Bahntest durchgeführt. Insgesamt wurden dabei 9.650 Fahrgäste in Zügen von zehn Bahnunternehmen interviewt. Zentrale Frage war, was Fahrgäste zum Umstieg vom Auto auf die Bahn motiviert. Immerhin 45 % der Befragten gaben an, Strecken, die sie früher mit dem Auto gefahren seien, heute mit der Bahn zu fahren. Die Möglichkeit, die Zeit beim Bahnfahren aktiv nutzen zu können, etwa zum Lesen oder Arbeiten, war mit 66 % der am häufigsten genannte Grund für den Umstieg. Dahinter folgten das Klimaticket sowie ein verbessertes Bahnangebot. Auch gestiegene Spritpreise, die Einführung von Parkraumbewirtschaftung am Ziel­ort und eine bessere Erreichbarkeit des Bahnhofs wurden als Gründe angeführt. Das Ergebnis des Bahntests zeigt jedenfalls, dass der Ausbau von Bahnverbindungen ein hohes Potenzial für die Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf die Schiene in sich birgt. Für viele Menschen stellt Bahnfahren ein sehr attraktives Mobilitätsangebot dar, sofern die entsprechenden Verbindungen vorhanden sind. JF 

Weitere Informationen zum Bahntestfinden sich auf der Website des VCÖ: Link

Strukturen für ein klimafreundliches Leben

Lehrreich

Es gibt Bücher, da gibt schon der erste Satz die Richtung vor. So auch hier: „Derzeit ist es schwierig, in Österreich klimafreundlich zu leben.“ Das liegt nämlich an den Rahmenbedingungen und Verhältnissen, in denen unser tägliches Leben stattfindet. Anders gesagt, an den Strukturen. 

Namhafte Wissenschafter:innen haben diese Strukturen für so gut wie alle Bereiche – von Ernährung über Erwerbsarbeit, Wohnen, Mobilität bis zu Bildung – nach einem einheitlichen Raster analysiert und Verbesserungen vorgeschlagen. Statt über Lifestyle und persönliche Konsumentscheidungen zu diskutieren, wird hier den Ursachen auf den Grund gegangen. Denn: Strukturen sind vor den Menschen da und sie sind Ausdruck der gesellschaftlichen Machtverhältnisse. Das großformatige, 700 Seiten starke Buch sollte Prüfungsstoff und Nachschlagewerk für alle Politiker:innen werden. HH 

APCC Special Report: Strukturen für ein klimafreundliches LebenChristoph Görg, Verena Madner, Andreas Muhar, Andreas Novy, Alfred Posch, Karl W. Steininger, Ernest Aigner (Hg.); Springer Verlag (2023)

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Aufwind für den Naturschutz

Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns die Nachricht, dass das Europäische Parlament und der Rat im sogenannten Trilog eine vorläufige Einigung über den Vorschlag für ein EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur gefunden haben. Tritt der Vorschlag in Kraft, müssen die Mitgliedstaaten in einem ersten Schritt bis 2030 auf mindestens 20 Prozent ihrer Land- und Meeresgebiete Wiederherstellungsmaßnahmen durchführen. Bis 2050 sollen solche Maßnahmen dann für alle sanierungsbedürftigen Gebiete ergriffen werden. Der Vorschlag hatte im Sommer für heftige Kontroversen im Europäischen Parlament gesorgt und stand kurz vor dem Scheitern.  JF

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