Mögliche Entwicklung des Vermögensanteils des weltweit reichsten 1 % der Bevölkerung, wenn dieses alle erforderlichen Klimainvestitionen besitzt (Szenario 1) oder wenn alle nötigen Investitionen durch eine Vermögenssteuer für das reichste 1 % finanziert werden (Szenario 2). Die gepunkteten Linien stehen für Unsicherheiten hinsichtlich des prognostizierten Investitionsbedarfs. Quelle: Chancel et al., 2025 | Grafik: Julia Stern
Energie und Ungleichheit
Climate Inequality - Bei der Erzeugung von Energie stehen der Menschheit große Änderungen ins Haus. In Zukunft wird ein Großteil der benötigten Energie durch „Erneuerbare“ (Solar, Wind- und Wasserkraft) bereitgestellt werden. Aber wem wird diese Energieerzeugung eigentlich gehören? Der Besitz von Energieträgern und Kraftwerken war historisch gesehen immer auch ein Motor für Ungleichheit. In den 1920er Jahren fragte ein englischer Labour-Abgeordneter sinngemäß: „Wie kann es sein, dass von der Steinkohle Großbritanniens nur 4.000 Menschen profitieren und nicht alle 45 Millionen?“
Die im letzten Jahr erschienene Studie „Climate Inequality Report 2025“ zeigt auf, dass heute ein Prozent der Weltbevölkerung 39 Prozent des weltweiten Reichtums besitzt. Was passiert, wenn dieses eine Prozent nun sein Kapital nutzt und in die Energieerzeugung mit Erneuerbaren investiert? Das „eine Prozent“ könnte dadurch seinen Besitz bis zum Jahr 2025 um weitere sechs Prozent erhöhen und 46 Prozent der Reichtümer der Welt auf sich vereinen. Die Ungleichheit würde sich verschärfen. Durch das Anwachsen solcher „Energieregime“, wie sie der Studienautor Lucas Chancel nennt, begeben sich Staaten in immer neue Abhängigkeiten von den Reichen und haben kaum Spielraum für eigene Investitionen.
Würde hingegen eine angemessene Steuer auf Vermögen erhoben und damit die notwendige Transformation zur CO2-armen Energieerzeugung finanziert, könnte die ungleiche Verteilung bis zum Jahr 2025 deutlich um 13 Prozent gesenkt werden. Keine Angst, die Reichen wären auch in diesem Szenario noch immer reich, aber es gäbe die Möglichkeit, demokratisch über Energieerzeugung und Energienutzung zum Wohle der Vielen zu entscheiden. FJ
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