Kommunikation

Irreführung verbieten?

Recht

Werbung informiert nicht nur, sondern beeinflusst auch gezielt Konsumentscheidungen. Besonders klimaschädliche Produkte wie Autos oder fossile Energie werden daher oft gezielt in ein positives Licht gerückt. Das in der Reihe „Schriften zum Umweltrecht“ erschienene Buch analysiert aus juristischer Perspektive mögliche Regulierungen für klimaschädliche Werbung und bleibt dabei auch für Laien verständlich. Es werden bestehende Regulierungen wie die Energieverbrauchskennzeichnung und deren tatsächliche Wirkung auf Konsument:innen diskutiert. Besonders spannend ist der Abschnitt zu einem möglichen Werbeverbot für fossile Brennstoffe, analog zur Tabakwerbung. Der Autor beleuchtet rechtliche Rahmenbedingungen und die Wirksamkeit solcher Maßnahmen. Trotz des Fokus auf Deutschland sind die Erkenntnisse aufgrund des EU-Rechts auch für Österreich relevant. Eine fundierte und zugängliche Analyse für umweltpolitisch Interessierte. Nina Birkner-Tröger

Regulierung der Werbung als Instrument des Klimaschutzes 
Jeremy Heeck
Duncker & Humblot (2026)

Tax the Rich

Fairness

In Zeiten von Sparbudgets und Energiekrise wird uns immer deutlicher vor Augen geführt, wie dringend die Reichsten der Gesellschaft endlich stärker steuerlich herangezogen werden müssen. Der französische Ökonom Gabriel Zucman bringt sein neues Buch zur richtigen Zeit in die Debatte. Auf 63 Seiten schildert er anschaulich Schritt für Schritt, wieso bisherige Versuche einer Besteuerung der Reichen gescheitert sind, und widerlegt überzeugend die gängigsten Gegenargumente und Befürchtungen. Diese prägen bis heute die Debatte und zeichnen ein völlig verfälschtes Bild der Realität. Zucmans Vorschlag: Ab 100 Millionen Euro Vermögensbesitz fallen zwei Prozent jährliche Mindeststeuer an. Bei einer in diesem Vermögensbereich üblichen Rendite von sechs Prozent würde dies lediglich zu einer Verlangsamung der wachsenden Vermögensungleichheit führen. Auch wenn bei der Besteuerung noch viel Luft nach oben besteht, liefert das Buch doch einen guten Anker für die Einführung von Erbschafts- und Vermögenssteuern. MK

Reichensteuer – Aber richtig!
Gabriel Zucman
Suhrkamp (2026)

Our Future is Public

Veranstaltungstipp  

Der 23. Juni ist der Internationale Tag der Daseinsvorsorge. An diesem Tag werden die Akteur:innen der Daseinsvorsorge endlich einmal vor den Vorhang geholt. Daseinsvorsorge entscheidet darüber, ob Wohnen, Mobilität, Energie, Bildung, Gesundheit und Pflege für alle Menschen verlässlich zugänglich bleiben. Sie ist somit Grundlage für soziale Sicherheit, Teilhabe und die Lebensqualität in Österreich. In ganz Europa haben die multiplen Krisen die Lebenshaltungskosten der Haushalte erhöht und öffentliche Budgets vor große Herausforderungen gestellt. Umso wichtiger ist die Bereitstellung von leistbarem Wohnraum, der auch ökologische Ziele wie Energieeffizienz, Wärmedämmung und den Ausstieg aus Gas und Öl ermöglicht sowie gut an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. Städte, Gemeinden und gemeinnützige Wohnbauträger sind dabei gefordert: Sie schaffen die Voraussetzungen für Wohnraum, der auch unter steigenden Kosten, den geplanten CO2-Einsparungen und mit Blick auf die Klimawandelanpassung dauerhaft leistbar und lebenswert bleibt. Auf der Veranstaltung diskutieren Expert:innen, wie sichergestellt werden kann, dass leistbares und klimaresilientes Wohnen für alle zugänglich bleibt. SI

Budgetnot, Kostenexplosion, Klimakrise: Wie schafft der öffentliche Wohnbau Entlastung? 
22. Juni, 15 bis 18 UhrFAKTory, Universitätsstraße 9, 1010 Wien
https://dachverband.at/tag-der-daseinsvorsorge/

Eine ewige Gefahr?

Gesundheitsschutz 

PFAS-Chemikalien sind giftig und entwickeln sich zunehmend zu einem Umwelt- und Gesundheitsproblem. Sie gelangen in den Boden, sickern ins Grundwasser und belasten die menschliche Gesundheit. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Europäische Chemikalienagentur stufen PFAS als problematisch ein und fordern Einschränkungen. Doch woher kommen diese „Ewigkeitschemikalien”? Die Journalistin Mariah Blake begibt sich auf Spurensuche und wird in den 1920er Jahren bei der US-Firma DuPont fündig. Sie spricht mit Historikern, Whistleblowern aus Behörden und wühlt sich durch Archive. Sie führt Interviews mit Betroffenen, deren Freund:innen und Verwandte durch PFAS-kontaminiertes Trinkwasser an Krebs gestorben sind. Nach achtjähriger Recherche für dieses Buch kommt Blake zu dem Schluss, dass die Menschen in den USA zu Versuchskaninchen in einem riskanten chemischen Groß­experiment wurden. Ein spannendes Buch, das aufzeigt, wie die chemische Industrie über Jahre hinweg daran arbeitete, die Gesundheits- und Umweltprobleme von PFAS zu verschleiern und auch Gesundheitsbehörden zu täuschen. Ein Aufweckruf für die Politik, mehr für ein Verbot von PFAS-Chemikalien zu tun. SI

Die Vergiftung der Welt 
Mariah Blake
Oekom (2026)

Als noch alle Hacker waren

Counterculture  

In den mutigen und wildbewegten 1960er Jahren wollte der studierte Biologe Stewart Brand mithelfen, eine neue Gesellschafft in den USA aufzubauen. Zu diesem Zweck verfasste er den voluminösen „Whole Earth Catalog“, von dem Steve Jobs später sagen sollte, er sei die Erfindung von Google gewesen. In diesem Werk steht „alles“ drin: wie man Bienen hält oder wie man sich eine Gitarre baut. In der späten Reife seines Reflektierens fiel Brand auf, dass die Grundstruktur allen Lebens „Maintenance“, also Instandhaltung, ist. Pflanzen und Tiere sind ständig um die Erhaltung ihrer Lebensgrundlage bemüht. Wenn man der Natur die Kreislaufwirtschaft nicht groß erklären muss, warum sind wir Menschen dann so schlecht darin? Ein Grund liegt darin, dass die Industrie uns nicht lässt. Frühe Autos wie das Modell T von Ford waren „Plattformen“, sie konnten leicht gewartet, repariert und sogar erweitert werden. Heute werden Maschinen abgeschlossen und gegen Zugriff „geschützt“. Hacken, also Abändern, ist verboten und damit auch Reparaturen und Instandhaltung. Nichts könnte falscher sein auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Leben. Das Buch des Erzhippies Brand ist eine kluge und entschiedene Aufforderung, über einige der (falschen) Grundlagen unserer Gesellschaft nachzudenken. FJ

Maintenance: Of Everything, Part One
Stewart Brand
Stripe Press (2026) In englischer Sprache

Zu guter Letzt: 


Hohe Kompetenz bestätigt!  

Verkehrspilot:innen in Österreich wurden erstmals auf Level 6 des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) eingestuft. Damit stehen sie auf einer Stufe mit einem Bachelorabschluss und dies spiegelt die hohe fachliche und operative Kompetenz dieser Berufsgruppe wider. Durch die Einbindung weiterer Berufsgruppen im Bereich der Luftfahrt in den NQR sollen künftig auch deren Qualifikationen gewürdigt und die berufliche Weiterentwicklung gefördert werden. DA