Wirtschaft & Umwelt - Zeitschrift für Umweltpolitik und Nachhaltigkeit

Kontroverse: Sind Lkw-Fahrverbote zu Ferienreisezeiten sinnvoll?

Pro: Lkw-Fahrverbote erhöhen die Verkehrssicherheit und entlasten Mensch und Umwelt – insbesondere an stark frequentierten Reisetagen. 

Lkw-Fahrverbote sind notwendig. Österreich ist 
ein Transitland und besonders von den europäischen Binnenmarktfreiheiten im Güterverkehr betroffen. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Güterverkehr auf Österreichs Straßen mehr als verdoppelt. Vor allem in engen Alpentälern stößt der freie Warenverkehr zunehmend an seine natürlichen Grenzen. Die Hauptleid­tragenden sind Anrainer:innen sowie Urlauber:innen während der Ferienzeiten.

Fahrverbote für Lkw an stark belasteten Reisetagen sind daher unerlässlich. Noch zielführender wäre die Wiedereinführung der Ferienreiseverordnung, die im Jahr 2004 abgeschafft wurde, obwohl Studien eine flüssigere Verkehrs­abwicklung und sinkende Unfallzahlen belegten. Genau diese Effekte sind der Zweck einer solchen Regelung. Entscheidend ist: Es geht nicht primär um Stauvermeidung, sondern um das Zusammentreffen von dichtem Pkw-Ferienverkehr und Gütertransport. Unterschiedliche Geschwindigkeiten, eine hohe Verkehrsdichte und ein erhöhtes Risiko von Auffahrunfällen verschärfen die Situation zusätzlich. Fahrverbote reduzieren diese Gefahren gezielt. Auch wenn Transporte zeitlich verlagert werden, ist genau diese Entzerrung entscheidend, um Verkehrsspitzen zu vermeiden. Zugleich entlasten Fahrverbote Umwelt und Gesundheit: Weniger Lkw-Verkehr senkt die Belastung durch Stickoxide und Feinstaub spürbar.

Derzeit müssen Fahrverbote jährlich neu verordnet werden – ein vermeidbarer Verwaltungsaufwand ohne erkennbaren Mehrwert. Sinnvoll wäre ein mehrjähriger, einheitlicher Fahrverbotskalender, der Planungssicherheit schafft und die Verwaltung entlastet.

Con:  Die Politik will durch Fahrverbote einen flüssigeren Reiseverkehr, sie bremst jedoch beim „Nacht-80er“, der den Lkw-Verkehr flüssiger in den Verkehr integriert.

Die Verkehrswirtschaft bekennt sich dazu, den Verkehr flüssiger und sicherer zu machen. Bei den Lkw-Fahrverboten während der Ferienzeiten im Winter und Sommer richtet sich unsere Kritik insbesondere gegen deren starre Ausgestaltung. Die Vorverlegung des Beginns von Wochenendfahrverboten am frühen Samstagmorgen erschwert betriebliche Abläufe. Lkw-Fahrten werden nicht aufgehoben, sondern müssen in erlaubte Zeitfenster verschoben werden. 

Statistisch gesehen ist der Einfluss des Lkw-Verkehrs auf das Staugeschehen nicht relevant. In das Unfallgeschehen auf Transitrouten sind Lkw ohnehin seltener involviert. Daher ist auch die Verkehrssicherheit kein fundiertes Argument für ein Verbot, da die Fahrverbote keine positiven Auswirkungen auf diese haben. Zudem erreichen die Lkw-Fahrverbote auf Basis des Immissionsschutzgesetzes Luft (IG-L) und der Straßenverkehrsordnung (StVO) mittlerweile eine erhebliche Unübersichtlichkeit. Frächter:innen müssen über den Brenner in Tirol (A12, A13) derzeit neben dem österreichweiten Wochenendfahrverbot weitere zwei bis drei Dutzend Fahrverbote beachten, die an Reise-Samstagen, Feiertagen in Deutschland und Italien sowie wegen der Baustelle Luegbrücke gelten. Hinzu kommen noch Luftreinhalte-Fahrverbote wie das Tiroler Nachtfahrverbot und das sektorale Fahrverbot.

Die Politik sollte helfen, den Verkehr flüssiger zu gestalten und Lieferketten zu beschleunigen, indem sie gestattet, dass Lkw auf unseren Autobahnen in der Nacht mit 80 km/h unterwegs sein dürfen.