Editorial: Leben in Zeiten der Klimakrise
Unser Verhältnis zur Klimakrise gleicht zuweilen dem kindlichen Guck-guck-Spiel. Solange wir unsere Hände aufs Gesicht pressen, sehen wir die Probleme nicht – und ein wenig fühlt es sich an, als seien sie verschwunden. Diese typischen Ängste und Abwehrreaktionen zeigen, dass die Klimabelastungen nicht nur äußerlich sind, etwa durch Hitze oder Hochwasserschäden, sondern dass die Sorge um das Klima in die Menschen hineingewandert ist.
Zur permanenten Ungewissheit gesellt sich ein Gefühl der Ohnmacht angesichts der Unüberschaubarkeit der Lage. Anders als bei einem Chemiewerk, dem „nur“ verboten werden muss, seine Abwässer in den Fluss zu leiten, lässt sich gegen die Klimakrise nicht so leicht ankämpfen, weil wir alle durch unsere Lebensweise mit den Folgen und Ursachen der Klimakrise verwoben sind.
Folglich ist diese Krise nicht nur in ihren Auswirkungen, sondern auch bereits in ihren Ursachen psychologisch zu begreifen. Im Schwerpunkt dieser Ausgabe möchten wir deshalb der Frage nachgehen: Wie kann es aus psychologischer Sicht in Zeiten der Dauerkrise gelingen, nicht auszubrennen und sich ein gutes Leben zu erhalten?
Der Schlüssel dazu liegt im Erlebnis der Selbstwirksamkeit und in der Frage: Was kann ich für mich und andere tun? Kollektives Handeln ist zugleich sinnstiftend und stärkt uns für die anstehenden Aufgaben.
