Schwerpunkt

Agrarpolitik 
quo vadis?

Interview mit Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace Österreich : Landwirtschaft und Umwelt

Was sind die großen Streitfragen bei den Agrarförderungen?

Wie so oft geht es darum, wer das meiste Geld bekommt und vor allem auch wofür. Wir von Greenpeace sind der Meinung, dass die Agrarförder-Milliarden dafür verwendet werden sollten, gesellschaftlich erwünschte Leistungen zu unterstützen. Also zum Beispiel den Schutz der Artenvielfalt, Schutz des Klimas und mehr Tierschutz. Die Agrarförderungen sollten dazu beitragen, dass wir Lösungen zu den ganz großen Problemen unserer Zeit finden.

Demgegenüber stehen europaweit und auch in Österreich die konservativen Agrar-Verbände, die möchten, dass ein möglichst großer Anteil des Geldes pauschal an die Landwirt*innen ausbezahlt wird und mit möglichst wenig Auflagen verbunden ist. Konflikte zwischen diesen beiden Sichtweisen sind also vorprogrammiert.

Wer profitiert und wer verliert beim jetzigen System? 

Unterm Strich profitieren vor allem die größten Betriebe. Der Löwenanteil aller Förderungen wird nach der Größe der bewirtschafteten Fläche ausgezahlt. Die größten Betriebe bekommen somit das meiste Geld. Kleine Betriebe kommen dadurch leicht unter die Räder. Volkswirtschaftlich gesehen subventionieren wir damit derzeit vor allem Grundbesitz und nicht nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft.

Wie soll ein künftiges Fördersystem aussehen? 

Das jetzige Agrarfördersystem wurzelt immer noch auf Annahmen des letzten Jahrhunderts. Es ging damals vor allem darum, die Produktion von Nahrungsmitteln anzutreiben – egal wie diese produziert wurden.

Heute haben wir aber mit Überproduktion und katastrophalen Auswirkungen der immer intensiveren Landwirtschaft auf die Umwelt zu kämpfen. Das alte Fördersystem verschärft diese Probleme, anstatt sie zu lösen. Aus unserer Sicht sollten in Zukunft alle ausgezahlten Fördermittel an einen klaren Zweck gebunden sein. Derzeit ist das nur für einen Teil der Förderungen der Fall, einen großen Teil bekommen die Landwirt*innen pauschal.

Wie kann mehr für Umwelt und Tierwohl getan werden? 

Da gibt es eine ganze Menge. Einer der wichtigsten Bereiche ist die Tierhaltung, die besonders viele Treibhausgas-Emissionen verursacht. Die Wissenschaft sagt uns, dass wir bis 2050 deutlich weniger Fleisch, Milch und Eier produzieren und konsumieren müssen, um den Klima-Kollaps zu vermeiden – weltweit mindestens um die Hälfte weniger als jetzt. Agrarförderungen sollten also unter anderem viel stärker dafür eingesetzt werden, um es Bäuer*innen zu ermöglichen wieder weniger Tiere zu halten. Und diese dafür in tierfreundlicher Weise. Aber auch der Einsatz von gefährlichen Pestiziden und chemisch-synthetischen Düngemitteln muss zurückgedrängt werden. Das schützt neben dem Klima auch unser Grundwasser.