AK-Studie: Wohlstandsbericht 2019: 
Beschäftigung & Klimaschutz

Wohlstand ist das oberste Ziel des Wirtschaftens. Eine hohe Wirtschaftsleistung schafft wesentliche Voraussetzungen für ein gutes Leben und erleichtert sozialen Fortschritt. Viele zentrale Aspekte eines guten Lebens für alle sind aber nur lose mit einem höheren materiellen Wohlstandsniveau verbunden. So muss beispielsweise die Einkommensverteilung oder die Gesundheits- und Umweltsituation mit eigenen Indikatoren beobachtet werden.

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Breit rezipierte Ansätze wie der Bericht der sogenannten Stiglitz-Kommission (2009), oder die 2015 beschlossenen UN-Ziele nachhaltiger Entwicklung (SDGs), haben in den letzten zehn Jahren versucht, ein breiteres Wohlstandsverständnis auch politisch zu verankern. In Österreich soll insbesondere das von Statistik Austria im Jahr 2012 ins Leben gerufene Projekt „Wie geht’s Österreich?“ die Wohlstandsmessung auf eine breitere Basis stellen. 

Der AK-Wohlstandsbericht knüpft an diese Vorarbeiten an, setzt aber bei der Auswahl der Indikatoren einen interessenpolitischen Schwerpunkt. Auf der Grundlage möglichst klar definierter Zielwerte wird die mittelfristige Wohlstandsentwicklung anhand von 30 Indikatoren in fünf Dimensionen (siehe Abbildung) aus interessenpolitischer Perspektive beurteilt. Daraus leitet die AK (wirtschafts-)politische Prioritäten und Maßnahmen für die kommenden Jahre ab.

Im Vergleich zum ersten AK-Wohlstandsbericht kam es zu einigen Änderungen. Zunächst wurde das Set um je einen Indikator pro Wohlstandsdimensionen ergänzt, nicht zuletzt um den SDG-Bezug zu stärken. Daneben gab es kleinere Anpassungen, beispielsweise setzt der Indikator zur Vermögensverteilung einen neuen Fokus. Und um eine bessere Anknüpfung an den Budgetprozess zu gewährleisten, wurde der Veröffentlichungstermin in den Herbst gelegt.

Neu ist auch, dass zusätzlich zur Gesamtbewertung der Entwicklung pro Indikator nunmehr der Ausblick auf das kommende Jahr gesondert ausgewiesen wird. Dieser wird in drei Abstufungen mit negativ (-), neutral (~) oder positiv (+) bewertet. Damit wird die Prognose noch transparenter dargestellt.

Im internationalen Vergleich steht Österreich weiterhin sehr gut da. Hohe Einkommen bedeuten hohe Lebenszufriedenheit. Während die Armutsgefährdung im europäischen Vergleich gering, der Grad gewerkschaftlicher Mitbestimmung zufriedenstellend und der öffentliche Verkehr gut ausgebaut sind, erlauben ökonomische Stabilität und hohe Forschungsausgaben prinzipiell einen optimistischen Blick in die Zukunft. 

Die kurzfristige Prognose 
ist hingegen weniger positiv. Neben anhaltenden strukturellen Problemlagen – u.a. hohe Vermögenskonzentration, großer Abstand zwischen Frauen- und Männereinkommen –, ist auch durch die Konjunktureintrübung, politische Weichenstellungen (Stichwort 12-Stunden-Tag) und die geringen Ambitionen in der Energie- und Klimapolitik der Ausblick ins kommende Jahr bei der Mehrzahl der Indikatoren neutral oder negativ. 

Die Analyse legt nahe, dass in den kommenden Jahren Schwerpunkte in den Dimensionen „Vollbeschäftigung und gute Arbeit“ und „intakte Umwelt“ (insb. Klimapolitik) gesetzt werden. Dafür bieten sich gezielte, öffentliche Investitionen, innovative Formen der Arbeitszeitverkürzung und öffentliche Beschäftigungsprogramme an.