AK-Studie: Führt ein technologischer 
Wandel zu mehr Ungleichheit?

In regelmäßigen Abständen kehrt in den Wirtschaftswissenschaften die Debatte über die Auswirkungen von technologischem Wandel auf Beschäftigung zurück. Zwischen apokalyptischen Prophezeiungen („Hälfte aller Jobs in Gefahr“) und entspannten Beschwichtigungen („technischer Fortschritt schafft neue, andere Jobs“) bleibt viel Raum für Spekulation, während kaum empirische Evidenz vorhanden ist. Auch für Österreich gab es bisher nur zaghafte Versuche, die Folgen des technologischen Wandels auf den Arbeitsmarkt und die Einkommensverteilung zu beziffern. An dieses komplexe Unterfangen haben sich das Joanneum Research und das WU-Forschungsinstitut INEQ im Auftrag von AK, MA23 der Stadt Wien, und dem Verkehrsministerium (BMVIT) gewagt.

Wie misst man technischen Fortschritt? In der Studie wird er in drei Dimensionen definiert: Wissens-, Technologie- und Innovationsintensität. Wissensintensität wird mit mehreren Indikatoren zu Forschung und Entwicklung (F&E) bewertet, Technologieintensität wird z.B. mit Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) gemessen, und die Daten zur Innovationsintensität entstammen dem Community Innovation Survey von Statistik Austria. Die gesammelten Daten lassen einen recht kurzen Beobachtungszeitraum von 2002 bis 2014 für unterschiedliche Branchen in der Sachgütererzeugung und im Dienstleistungssektor zu. Die Forschung war explorativ ausgerichtet, womit die Ergebnisse mit notwendiger Vorsicht zu interpretieren sind.

Hat der technische Fortschritt 2004 bis 2014 zu einem starken Arbeitslosigkeitsanstieg in Österreich geführt? Die Studie verneint dies und zeigt, dass die Technologievariablen im Sachgütersektor in der Regel sogar positiv auf die Beschäftigung wirken. Für Österreich gibt es keine Indizien für einen drastischen Jobverlust durch Automatisierung, wie er von internationalen Studien in anderen Ländern vermutet wird. Das kann auch daran liegen, dass die AutorInnen in den letzten Jahren zwar eine Steigerung der Wissensintensität messen, allerdings keine breite „Digitalisierungswelle“ beobachten. Insbesondere im Dienstleistungsbereich lässt sich ein von manchen Prognosen erwarteter Schub in der Produktivitätsentwicklung aufgrund vermehrten IKT-Einsatzes (noch?) nicht feststellen.

Wie wirkt der technologische Wandel auf die Einkommensverteilung? Die ExpertInnen sehen im technischen Fortschritt theoretisch die Gefahr von steigender Ungleichheit, wenn es wenige große GewinnerInnen und viele VerliererInnen gibt. In ihrer empirischen Untersuchung finden sie in den F&E-intensiven Sachgüterbranchen aber eine niedrigere Ungleichheit als im Dienstleistungssektor. Für die Einkommensverteilung sind die traditionellen Einflussfaktoren, wie Gewerkschaftsdichte oder Arbeitslosenrate, deutlich bestimmender als der technische Fortschritt.

Zusammenfassend bestätigt die Studie also die vorgebrachten Befürchtungen grundsätzlich nicht. Zumindest in der beobachteten Periode zeigen sich andere Faktoren dafür verantwortlich. Prognosen für zukünftige Entwicklungen sind auf dieser Basis nicht bedenkenlos zu treffen, denn Wirtschaft, Technik und Gesellschaft haben sich historisch immer wieder sprunghaft entwickelt.