Kommentar: Fest im Sattel, 
dank Betriebsrat

Beim Essenszustellservice foodora wurde von jungen, mutigen Leuten der erste Betriebsrat bei einem Fahrradbotendienst in Europa gegründet. Damit haben sie Pionierarbeit in Richtung arbeits- und versicherungsrechtlicher Absicherung geleistet. Hipp, sportlich und lässig. So präsentieren sich die Fahrradbotendienste. Weniger lustig erleben viele es, wenn sie mal selbst im Sattel sitzen und immer wieder zeigt sich, dass sich der Spaß ganz aufhört, wenn es um arbeits- und sozialrechtliche Absicherungen für die Beschäftigten geht. So etwa, wenn der Job wegen wetterbedingter Nachfrageschwankungen gekündigt wurde, oder bei der Frage, das Einkommen vorherzusagen, wenn man als freier Dienstnehmer oder nur geringfügig beschäftigt eingestellt wurde. Viele der jungen Leute nehmen den Job als Fahrradbote an, ohne lange nachzufragen, z.B. wie sie im Falle eines Unfalles versichert wären. Bleich werden die Gesichter dann, wenn sie sehen, welche Strapazen sie für 7,58 Euro Stundenlohn plus 0,60 Euro Kilometergeld auf sich nehmen müssen. Es fehlte bisher an Rahmenbedingungen. Dies soll sich bis Ende 2017 ändern. Als nächstes Ziel peilt die Gewerkschaft vida nämlich einen Kollektivvertrag für alle 450 in Österreich tätigen Fahrradbotendienste an. Es gibt dazu auch eine schriftliche Vereinbarung mit der WKO, denn auch bei den seriösen Unternehmen herrscht Sehnsucht nach ordnenden Rahmen, um nicht selbst durch unlautere Mittel unter die Räder zu kommen. Viele Fragen harren noch einer Lösung, wie z.B. dass das notwendige Fahrrad und auch das Handy von den RadlerInnen beigesteuert werden muss, weil sie nicht als „Arbeitsgeräte“ definiert sind. Rechtliche Unklarheiten gibt es auch über Arbeitsbeginn und -ende, und zum Datenschutz. Viele dieser Punkte lassen sich im Rahmen der neuen Organisation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sicherlich leichter und kooperativer bewältigen. Das „foodora-Projekt“ scheint sich jedenfalls als Vorbild zu eignen, denn bei aller Goldgräberstimmung in der Branche sind wir nicht im Wilden Westen.