Kommentar: Fahrerlose 
Begegnungszone

Die Autoindustrie verspricht uns allen einen enormen Zugewinn für die Sicherheit, wenn die fahrerlosen Autos flächendeckend eingesetzt werden. Jedes Hindernis wird vom Bordcomputer vorausschauend und rasch erkannt, durch ihn werden die Fahrzeuge auch rechtzeitig abgebremst. Unfälle aller Art gehören dann der Vergangenheit an.

Das ist gerade bei hohen Geschwindigkeiten – etwa auf Autobahnen – sehr erfreulich. Eine echte Revolution ist es aber in den Siedlungsgebieten. Derzeit ist die Rollenverteilung ebendort klar geregelt. Die Mächtigen hinter dem Pkw-Gaspedal haben dabei –  umgeben von 1,5 Tonnen schützendem Blech – klare Kräftevorteile gegenüber FußgängerInnen und RadfahrerInnen. Unachtsamkeit und das Betreten der Fahrbahn können für die Schwächeren zu schweren Folgen führen. Entsprechend vorsichtig und gefügig müssen sich diese gegenüber der absoluten Minderheit der AutofahrerInnen verhalten.

Werden nun die „Pkw-Hindernisse“ automatisch erkannt, ist auch anderen als dem Autoverkehr eine ungefährliche Beteiligung im gesamten Straßenraum möglich, denn es ist niemand mehr mit der Angst konfrontiert, von Autos verletzt werden zu können. Natürliches – per se von hoher Intensität und Sprunghaftigkeit geprägtes – Bewegungsverhalten von Erwachsenen und besonders von Kindern, wird so wieder ermöglicht. Sukzessive und gefahrlos kann öffentlicher Raum wieder allen gehören.

Zu Ende gedacht ist die flächendeckende Einführung fahrerloser Autos somit gleichbedeutend mit der Emanzipation der Fußgänger­Innen und RadfahrerInnen. Langfristig führt sie zu einer flächendeckenden Begegnungszone in Siedlungen. Durch die Weiterentwicklung der Fahrzeuge entsteht ein gesellschaftlicher Mehrwert hin zu menschen-, statt autogerechten Städten. Dass letztlich die innovativste Technik der Autobauer einmal für mehr Gerechtigkeit zu Lasten der Pkw sorgen wird, war von diesen vermutlich nicht ganz so geplant…