Leben

Grüner Dschungel gegen 
die Hitzeinseln 

Die außergewöhnliche Hitze und zusätzliche Trockenheit im vergangenen Jahr sorgten für Rekordschäden in der Landwirtschaft. Aber auch viele Bäume vertrockneten oder wurden durch den Wassermangel anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. 

Gerade in den großen Städten leiden aber auch die Menschen unter der enormen Hitze. Denn im dicht verbauten Gebiet wird es immer heißer. Mit 42 Hitzetagen über 30°C in der Wiener Innenstadt war 2018 laut ZAMG eines der heißesten Jahre seit Temperaturaufzeichnungen. Beton, Asphalt, versiegelte Flächen, wärmespeichernde Fassaden…all diese Gegebenheiten in Städten sorgen für sogenannte „Urban Heat Islands“, also städtische Hitzeinseln. Dazu kommen anthropogen verursachte Wärmequellen wie Autos, Industrie, Klimaanlagen und Luftschadstoffe. Auch die durch Gebäude stark vergrößerte Oberfläche, der Wärmespeicher in Form von Wänden, Straßen und Gehsteigen und die verminderte Luftzirkulation tragen zu übermäßiger Hitze in der Stadt bei. Verglichen mit dem Umland gibt es Temperaturdifferenzen bis zu 12°C. Dieses mikroklimatische Phänomen der urbanen Temperaturerhöhung wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen, angeheizt durch den Klimawandel. 

Der Wiener Strategieplan

Einige große Städte in Europa haben sich dazu entschlossen, Strategien gegen die urbane Überhitzung zu entwickeln. Gemeinsam mit Bologna, Stuttgart, Venedig und weiteren Städten hat Wien im „Central Europe“-Projekt „Urban Heat Islands“ Strategien entwickelt, um der Hitze im urbanen Raum entgegen zu wirken. Für Wien wurde der Urban Heat Island-Strategieplan (UHI STRAT) unter Federführung der Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22 gemeinsam mit wissenschaftlichen Expertinnen und Experten sowie zahlreichen Fachabteilungen der Stadt Wien erarbeitet. Zu den geplanten Maßnahmen gehören zum Beispiel das Anpflanzen von Straßenbegleitgrün, Bäumen, Grünstreifen und Grünflächen und das Anlegen neuer Parks. Auch die Förderung von Fassaden-, Innenhof- und Dachbegrünungen und das Bereitstellen von öffentlichen Trinkwasserbrunnen sowie die Entsiegelung von Flächen und ein ausgeklügeltes Regenwassermanagement sind wichtige Schritte zur Verbesserung der Lebensqualität im Sommer. 

Jede Pflanze hilft mit, die Überhitzung zu reduzieren. Grüne Dächer und begrünte Fassaden kühlen und beschatten Oberflächen. Baumkronen spenden an erbarmungslos heißen Tagen angenehmen Schatten. Zusätzlich erhöhen die Pflanzen die Luftfeuchtigkeit und ihre Blätter binden Feinstaub, der gerade an heißen und trockenen Tagen erhöht ist. Unversiegelte Flächen erhitzen sich weniger stark als Asphalt und Beton. Der Rückhalt des Regenwassers im Boden und die anschließende Verdunstung kühlen ebenfalls die Umgebung. Weiße Hauswände speichern weniger Wärme als dunkle Oberflächen und sorgen damit für kühlere Nächte. 

Grün auf kleinstem Raum

Gerade in dichtverbauten Gebieten, wo wenig Platz für Straßenbäume und Grünflächen ist, kann vertikale Begrünung gegen Überhitzung wirken. Begrünte Wände sind schön anzusehen und verbessern das Mikroklima. Fassaden- Dach- und Innenhofbegrünungen werden zum Beispiel in Wien durch Förderungen unterstützt. In den nächsten Jahren sollen dadurch in Wien über 150 Häuser, darunter auch Gemeindebauten, begrünt werden. Geeignete Flächen werden derzeit gesucht.

50 Grüne Häuser

Im Rahmen des  FFG-Projektes „50 Grüne Häuser“ wurde von einem Projektteam ein eigenes Grünfassaden-Modul entwickelt. Die Komponenten dieses Moduls sind aufeinander abgestimmt, werden von Profis an das jeweilige Gebäude angepasst und können individuell erweitert werden. Zusätzlich wurde ein Online-Einreichtool zur Umsetzung der Begrünungen entwickelt. Durch gute Abstimmung zwischen den beteiligten Magistratsabteilungen sollen straßenseitige Gebäudebegrünungen in Wien künftig einfacher realisiert werden können. Bis Ende Juni 2019 können MieterInnen, EigentümerInnen und Hausverwaltungen in Wien noch für ein kostenloses Modul einreichen. Die GewinnerInnen erhalten einen Trog inklusive Befüllung, Bepflanzung und Beratung.

Kühlung von oben durch Wasser im Dach

Ein großer Teil der Hitze in Gebäuden entsteht durch schlecht isolierte Dächer. Dachbegrünung kann diese Überhitzung eindämmen. In Europa noch weniger bekannt, gibt es beispielsweise in den USA sogenannte „Blue Roofs“. Das sind Dächer, die Wasser rückhalten können. Das wirkt einerseits bei Starkregen positiv und trägt andererseits durch die Verdunstung an heißen, trockenen Tagen zur Kühlung bei. Durch ausgeklügelte technische Systeme oder auch in Kombination mit Dachbegrünungen als offene Wasserfläche sind am Dach also starke Kühleffekte möglich.