Leben

Wärmedämmung – 
Fluch oder Segen?

Ereignisse wie der Brand eines Hochhauses in London sind erschütternd - das steht außer Zweifel! Sie sollten aber nicht zur Folge haben, dass wir wieder einen Schritt zurück machen und die Notwendigkeit von Wärmedämmung in Frage stellen. Viel wichtiger ist es, diese Katastrophe als Anlass zu nehmen, Bauvorschriften zu adaptieren und strengere gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit solche Vorfälle der Vergangenheit angehören.

Wozu dämmen?

Über die Hälfte des Energieverbrauchs österreichischer Haushalte fließt in die Heizung. Energieeffiziente Gebäude brauchen weniger Heizenergie. Das schafft mehr Unabhängigkeit gegenüber schwankenden Energiepreisen und reduziert den CO2-Ausstoß. Eine Sanierung kann die Heizkosten um bis zu 80 % reduzieren, wenn zum Beispiel Außenwände, Dach und Kellerdecke gedämmt, die Heizung erneuert und die Fenster getauscht werden. Das steigert die Behaglichkeit UND den Wert der Immobilie. 

Wäre eine Katastrophe wie in London in Österreich möglich?

Ein solche Brandkatastrophe ist in Österreich sehr unwahrscheinlich, denn es gelten sehr strenge Brandschutzvorschriften – und das ist gut so. 

Bauprodukte und -arten können nach ihrem Brandverhalten klassifiziert werden. Hierfür gibt es ein auf europäischer Ebene einheitlich geregeltes Prüfverfahren (EN 13501-1). Dabei werden die Bauprodukte unter Berücksichtigung ihrer praktischen Anwendung betrachtet. Aus diesem Grund sind Produktkennzeichnungen bzw. Klassifizierungen von Einzelkomponenten und Systemen zu unterscheiden. So haben z.B. die Dämmmaterialien Hanf oder EPS (Styropor), allein betrachtet, die Brandverhaltensklasse D bzw. E. In einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS), also zusammen mit allen Schichten, die an der Hauswand angebracht werden, erreichen sie jedoch eine bessere Klassifizierung. Denn die äußere Putzschicht ist maßgeblich für das Brandverhalten.

Die österreichischen Brandschutzbestimmungen legen die Anforderungen an das Brandverhalten des Materials (Brandverhaltensklassen A bis E) in Abhängigkeit zu den Gebäudeklassen (GK1 bis 5) fest. In der Praxis sieht es so aus, dass nachwachsende Rohstoffe in den Gebäudeklassen 4 und 5, also im mehrgeschossigen Wohnbau mit mehr als vier oberirdischen Geschoßen, nicht zur Anwendung kommen. Einzig Hanf schafft es als Wärmedämmverbundsystem bis zur Gebäudeklasse 4 und ist damit auch für den städtischen Raum eine interessante Alternative. Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen kommen vor allem bei Neubau oder Sanierung von Einfamilienhäusern zum Einsatz.

Womit dämmen?

Aus ökologischer Sicht sind für die Dämmung von Einfamilienhäusern regional verfügbare Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen besonders empfehlenswert. Dazu gehören zum Beispiel Schafwolle, Stroh oder Zellulose, die mit relativ wenig Energieaufwand hergestellt werden. Aber auch wenn Dämmstoffe zum Einsatz kommen, für deren Herstellung und Transport mehr Energie notwendig ist, gleicht sich das durch die eingesparte Heizenergie nach einigen Jahren wieder aus.

Beim ökologischen Bauen stehen die Wechselbeziehungen des Menschen zu seiner Umwelt im Vordergrund. Die Gebäude sollen sich nach Möglichkeit in natürliche Stoffkreisläufe eingliedern, um künftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen. Ein wesentlicher Aspekt des ökologischen Bauens ist die Senkung des Energieverbrauchs. Ob Neubau oder Sanierung – die richtige Wärmedämmung bringt Energie- und Kosteneinsparungen, steigert den Wert der Immobilie, verbessert das Wohlbefinden, schützt vor Bauschäden und trägt zum Umweltschutz bei.